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Einführung zur Ausstellung "Die vierte Dimension"

Die Aufgabe der Kunst besteht lange nicht mehr darin, die Wirklichkeit abzubilden. Auch der Glaube, die Realität ohne eine Verzerrung darzustellen zu können, ist erloschen. An seine Stelle ist der Drang getreten, neue Sinnbilder der Realität zu formen. Diese Sinnbilder thematisieren dabei gerade die Diskrepanz zwischen Kunst und Realität und verweisen damit auf Ebenen jenseits des täglichen Lebens.

Anna Rozanovas Bilder sind Landschaftsbilder. Jedoch bilden diese Landschaftsbilder nicht unsere Realität ab, sondern sie transformieren diese und verleihen ihr durch Farbe und Form einen neuen Sinn. Elemente der Landschaft sind zu Zeichen reduziert, die sowohl auf unsere sichtbare Wirklichkeit, als auch auf eine Welt darüber hinaus verweisen.

Im Zentrum dieser Landschaft steht der Baum, dem mehrere symbolische Bedeutungen zukommen. Im christlichen Verständnis erinnert er an die Erkenntnis von Gut und Böse. Er steht für die Verbindung der irdischen Kraft des Menschen mit seinem Drang in die Höhe, zum Göttlichen. Der Baum ist auch der Schlichte Verweis auf die lebendige Natur als eine Quelle der Energie und Lebenskraft. Als eine persönliche Bedeutung für die Künstlerin ist die Birke eine nostalgische Erinnerung an das Land ihres Ursprungs.

Insgesamt steht der Baum für den Lebensweg eines Menschen allgemein - fest verankert in seinem materiellen Leben strebt er beständig hoch um sich selbst zu verwirklichen und um den Weg zum Absoluten zu finden.

Formal ist der Baum eine Vertikale, die die Bildfläche in rechteckige Formen einteilt, die durch die malerische Oberflächengestaltung den Eindruck der Tiefe vermitteln. Im Zusammenspiel mit den horizontalen Linien entsteht ein Koordinatensystem, das den Bildraum organisiert und dem Betrachter Orientierung geben soll. Die Horizontale steht außerdem für Bewegung und Zeitlichkeit. Auf diese Weise entsteht eine andere Realität außerhalb unserer Wirklichkeit, denn Realität verstehen wir nur in Verbindung mit Raum Zeit und Bewegung.

Das ist die vierte Dimension, in die die Kunst uns einen Einblick geben kann.

In dieser Ausstellung sind die Serien "Park" und "Ichthys" zu sehen.

Ich habe bereits auf die Bedeutung von Natur und Landschaft in Anna Rozanovas verwiesen.

So ist der Park eine vom Menschen konstruierte und organisierte Natur oder Landschaft. Der Park ist seit vielen Jahrhunderten ein Ausdruck der Mentalität, des Selbstverständnisses und vielleicht auch der Seele eines Volkes. So unterscheiden sich französische, englische, japanische wie auch Barock- und Renaissancegärten in entscheidenden Weisen von einander.

Im Park ist der Baum vom Menschen an einen bestimmten Platz gepflanzt und gepflegt und er ist ein Ausdruck seiner Epoche, seiner Kultur und auch seiner intellektuellen Balance.

Diese Bilder sind eine Einladung zum Spaziergang durch den von der Künstlerin angelegten Park. Sie zeigen sowohl die Skulpturen und Brunnen eines barocken, als auch die Einheit der Elemente und Raum für stille Kontemplation und Meditation eines japanischen Gartens.

Bereits Wassily Kandinski äußerte den Wunsch, den Betrachter aus seiner Wirklichkeit in die Realität der bildlichen Welt zu ziehen, ihn in das Bild eintauchen zu lassen. In den Bildern der Serie "Ichthys" erzeugt die dunkle Fläche eine Bewegung, die an Wasseroberfläche erinnert. Obwohl undurchdringbar, fesselt die Fläche den Blick und deutet Formen in der Tiefe an, so dass der Betrachter "eintauchen" möchte, um den Inhalt zu ergründen.

Es bieten sich verschiedene Deutungen an: sucht der Betrachter in der Unbestimmtheit der modernen Welt doch nach einer statischen unveränderbaren Einheit - nach Gott?

So eröffnet sich in der Tiefe der Blick auf einen stilisierten Fisch, scheinbar unbeweglich, und doch in ständiger, ewiger Bewegung.

Oder sehen wir nur den Fisch als natürlichen Bewohner des Wassers.

Wieder ein Verweis auf die Lebensspendende Kraft der Natur. Das Wasser bietet Lebensraum. Der Fisch versinnbildlicht Ruhe in seiner ständigen gleichmäßigen Bewegung. Wir sehen den Ausgleich zwischen Bewegung und Ruhe.

 

Elisabeth Kuhl